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Das Geheimnis der Rötelschrift im Wendelstein

Rötel, eine eisenoxidhaltige Mineralfarbe war (u.a.) im Mittelalter weit verbreitet. An besonderen Bauten wurden durch berufene Personen Sinnsprüche mittels Rötelschrift angefügt. Solche Sinnsprüche wurden (u.a.) den Texten der Evangelisten aus der Bibel oder der Adagia entnommen. Letztere ist eine Sammlung von Sprüchen des Erasmus von Rotterdam, die den Humanisten dabei bis in die Antike zurück führten.
Die Sinnsprüche des Wendelsteins in Torgau wurden von den damaligen Schreibern so ausgewählt, dass sie eine Sinnhaftigkeit zu markanten Situationen im ernestinischen Herrscherhaus des Kurfürsten Johann Friedrich I. wieder gegeben haben. Das Verhältnis von Glaube und Macht in der Lutherzeit, so wie es sich im kursächsischen Konfessionsstaat im Einzelnen auftat, konnten Sinnsprüche in Rötel „nachbezeichnen“. Aus dieser Sicht erreichen einige Rötelschrift-Sinnsprüche des Wendelsteins die für unsere Stadt wichtige Aussage, „Torgau ist das politische Zentrum der lutherischen Reformation“.
Wenn wir heute im Schlosshof stehen, dann haben wir vor uns einen ganz konkreten Tatbestand, nämlich, dass der 1536 durch den Baumeister Conrad Krebs im Auftrag des sächsisch-ernestinischen Kurfürsten Johann Friedrich I. fertig gestellte Wendelstein auf seinen Innenwänden durch mehrere Personen aufgeschriebene Sinnsprüche in rotbrauner Rötelschrift trägt. Diesem konkreten Tatbestand haben wir uns zu stellen.
Bis in die Gegenwart hinein wurde seitens des Denkmalschutzes und auch durch andere Fachkenner versucht, die Bedeutung der Sinnsprüche aufzuklären. Das gelang bisher nicht. Zwei der Sinnsprüche wurden lediglich aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt. Andere Rötel-Textzeilen des Wendelsteins sind bisher gar nicht beachtet worden. Sie harren einer Übersetzung. Aber noch wichtiger ist es, danach zu fragen, wer die Röteltexte geschrieben hat und welchen Sinn sie zu den Zeitereignissen von vor 500 Jahren aufweisen. Das ist bisher ungenügend bedacht worden.
Die mitunter umhergeisternde These, dass mittelalterliche Erasmus von Rotterdam-Verehrer Adagia-Sprüche in den Wendelstein schrieben, um so eine Art von „Anti-Thesen“ gegen Martin Luther aufzustellen, halten wir für falsch, ja abenteuerlich.
Die gefundenen Tatsachen und Fakten, im Torgauer Schloss das politische Zentrum der Reformation zu sehen, scheinen das bestehende „Geheimnis“ um die Rötelschrift-Sinnsprüche im Wendelstein mit aufzuhellen.
Der Förderverein Europa Begegnungen e.V. hat aufgrund von in die Tiefe gehender Arbeiten zu Glaube und Macht einige ermutigende Thesen aufstellen können, die eine Aufklärung der Rötel-Sinnsprüche erbringen sollten. Dafür ist allerdings ein nicht unbeträchtlicher Aufwand an Zeit und Geld notwendig.


Dr. Uwe Niedersen


 

 

Der restaurierte Wendelstein enthält lateinische Rötelschrift. Ein Spruch von 1543 ist (unten) als Beispiel angefügt.
Foto: Archiv Förderverein Europa Begegnungen e.V.

 

 

Ein weiterer Artikel zur
Rötelschrift am Wendelstein in der TZ, 15.09.2015

 

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