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Residenzschloss Hartenfels – neues Denken ist gefragt

 

Seitdem die Kultusministerkonferenz der Empfehlung des Fachbeirates gefolgt ist, das Schloss Hartenfels mit der Schlosskapelle in die deutsche Tentativliste (Vorschlagsliste) für das UNESCO-Weltkulturerbe aufzunehmen, siehe TZ vom 14./15. Juni 2014, finden wir uns hier in Torgau bezüglich unserer Stellung und unseres Anspruchs, wie wir nunmehr das Residenzschloss Hartenfels nach außen vertreten und empfehlen wollen, in eine qualitativ neue anspruchsvollere Situation gestellt.
In der Stadt und der Region geht es jetzt darum, allen unseren Überlegungen und Initiativen zum „Residenzschloss Hartenfels“ grundsätzlich folgende wesentliche Aussage zu unterlegen:
Das ehemalige Residenzschloss der sächsischen Kurfürsten ernestinischer Linie in Torgau war das politische Zentrum der lutherischen Reformation; durch Dr. Hancke (Torgau) bereits 1994 veröffentlicht.
Mit dem Alleinstellungsmerkmal „Torgau, das politische Zentrum der Reformation“ ergibt sich die Pflicht, der wir alle (Kirche, Ämter, Vereine und die Bürger selbst) in den Vorhaben während der Lutherdekade, zwar in der entsprechenden Verhältnismäßigkeit, welche durch die konkrete Initiative bestimmt wird, doch unbedingt anspruchsvoller, nachzukommen haben. Kurz gesagt, jeder hat für Torgau und mindestens in der Reformationsdekade zu überdenken, wie er der sehr wahrscheinlichen Verleihung des Titels „UNESCO-Weltkulturerbe“ für das Schloss und für seine Funktion, politisches Reformationszentrum gewesen zu sein, genügen will.
Mittelmäßigkeit können wir nicht mehr hinnehmen. Sie erdrückt uns.
Ausdrücklich war die Exkursion, die das Sachsen-Preußen-Kollegium des Förderverein Europa Begegnungen e.V. mit Vertretern des Landratsamtes des Landkreises Nordsachsen dieser Tage im Residenzschloss unternahm, neben dem informativen Teil vor allem inhaltlich geprägt.
Bei den Vorort-Begehungen und den Erläuterungen zu den laufenden Restaurierungsarbeiten am Flügel C und im Flügel B (Flaschenturm, Kurfürstliche Gemächer, Schlosskapelle, Sakristei) ging es nicht nur um das Werden erneuerter Bauelemente und –strukturen, vielmehr wurden Überlegungen geäußert, wie Luthers „Zwei-Reiche-Lehre“, die ja über Begriffspaare wie Glaube und Macht, Gnade und Gesetz, Religion und Politik verstehbar wird, anschaulich und fasslich dargestellt werden kann. Welche Zuordnungen zwischen Kirche und Staat waren es, welche die Gesellschaft damals funktionieren ließen?
Wenn wir hier, im Residenzschloss Hartenfels, diese zwei „Reiche“, nebeneinander, sozusagen „zum Greifen nah“, betrachten können, das eine, das „religiöse“ Reich durch Luthers Schlosskapelle uns entgegentretend und das andere, – das „politische“ Reich durch Räume herrschaftlichen Lebens und kurfürstlicher Machtausübung sich im gleichen Schlossflügel auftuend –, dann haben wir das bauliche Nebeneinander mit den jeweiligen Kennzeichnungen nicht bloß zu benennen. Wir müssen über unser Schloss als politisches Zentrum der Reformation und wir müssen in dem Zusammenhang zugleich über das Verhältnis von Glaube und Macht eine ganze Geschichte erzählen können.
Die Erzählung „Torgau, das politische Zentrum der lutherischen Reformation“ wird in der Allgemeingeschichte Europas ihren natürlichen, bedeutenden Platz finden! Eine solche in die europäische Geschichte hinausgreifende Erzählweise hätte dann genau die Exzellenz, welche mit der Verleihung des internationalen Titels: „Schloss Hartenfels – UNESCO-Weltkulturerbe“ korrespondieren würde.
Ein Potential für die Wirtschaft und für das Leben in Torgau würde sich herausbilden. Freilich müssen wir dann auch den Verstand haben, es abzurufen.

Noch eine Anmerkung:
Der abschließende Gang der Sachsen-Preußen Kollegiumsmitglieder durch die derzeitige Ausstellung „Das Wort im Bild. Biblische Darstellungen an Prunkwaffen und Kunstgegenständen der Kurfürsten von Sachsen zur Reformationszeit“, die ja vor allem die Zeit des Albertiners, Kurfürst August I. (1553-1586) berücksichtigt, setzte bei uns die Hoffnung frei, das Reformationsthema durch die erste Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ im Schloss Hartenfels in 2015 (Schirmherr Joachim Gauck) insgesamt zu einem Torgau wieder belebendes Ereignis zu führen. Und am Horizont erblicken wir bereits nach dieser „Großen Nationalen Präsentation“ die sich anschließenden Folgeausstellungen bzw. eine Dauerausstellung, welche neben dem albertinischen Erbe, auch den ernestinischen Reichtum des kurfürstlichen Residenzschlosses bei den Rundgängen erleben lässt.

Dr. Uwe Niedersen

 



Exkursion durch Schloss Hartenfels mit Horst Winkler und Raik Bergner vom
Landratsamt und den Sachsen-Preußen-Kollegiumsmitgliedern
Dr. Hancke, Theilemann, Lotzenburger, Dr. Landschreiber, Arlt, Globig, Dudek,
Dr. Niedersen und Frau Nitschke. (Foto: Förderverein Europa Begegnungen e.V.)

 

 

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