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Das Wort im Bild

 

Die beigefügte Abbildung zeigt das Cranach-Bild, Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen mit den Reformatoren; im Original auf Holz, 72,8 x 37,7 cm, Standort Toledo/Ohio (USA), Museum of Art. Es war einst Bestandteil eines dreiteiligen Altaraufsatzes (Triptychon); hier der linkseitige, noch erhaltene Teil davon. Wahrscheinlich malte Lucas Cranach d. Jüngere das Altarbild um 1543. Man findet allerdings auch 1532/39 und Lucas Cranach d. Ältere angegeben.
Das Bild war bereits in Torgau, denn es gehörte 2004 zu den Exponaten der Zweiten Sächsischen Landesausstellung „Glaube und Macht“.
Es wird von Historikern seit Jahrzehnten herangezogen, um den wissenschaftlichen Texten über Glaube und Macht, Theologie und Politik oder über Kirche und Staat während der Reformationszeit eine veranschaulichende Flankierung zu geben.
Auch die SKD (die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden) verwenden es heute als ein „Leitbild“, um damit die Erste Nationale Sonderausstellung „Luther und die Fürsten“ im Schloss Hartenfels Torgau, Eröffnung im Mai 2015, zu bewerben.
Wir gehen folgend der Frage nach, wie das hier abgebildete spätmittelalterliche Gemälde von Lucas Cranach mit dem Inhalt des Wortes „Konfessionalisierung“ einen Zusammenhang aufbaut.
„Konfessionalisierung“ verstehen wir als Initiative, vor allem im 16. Jahrhundert, den christlichen Glauben in der Gesellschaft zu etablieren, ihn zu verbreiten und den dann jeweils erzielten Stand zu kontrollieren. Etabliert und kontrolliert (visitiert) wurden Pfarrgemeinden und Schulen durch die weltliche Macht gemeinsam mit der Geistlichkeit. Die Verbreitung, die Aufnahme und Verinnerlichung des christlichen Glaubens durch die Obrigkeit wie durch die Untertanen geschah vor allem über das gedruckte und in hoher Zahl aufgelegte Buch, über die Predigt, über die Musik und den Gesang zur Reformation. Dabei entstand ein neuer „Zeitgeist“.
Auf das Bild schauend fragen wir weiter: Welche Personen sind es denn, die während der Reformationszeit zu den Eliten gezählt wurden? Was war ihr Tun in Sachen „Konfessionalisierung“?
Der ernestinische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige (1503–1554) im Vordergrund mit (v.l.n.r.) Martin Luther (1483–1546), Magister Georg Spalatin (1484–1545), Kanzler Gregor Brück (1484–1557) und Philipp Melanchthon (1497–1560); dahinter (r. außen) die Reformatoren Johannes Bugenhagen (1485–1558) und (r. darüber) Justus Jonas (1493–1555); evtl. über G. Brück (l.) der Drucker Johannes Lufft (1495–1584).
Den Drucker J. Lufft mit aufzunehmen, kann Beleg dafür sein, wie wichtig für den Maler das neue Druckerhandwerk mit den beweglichen Lettern für die Verbreitung der Reformationsschriften und damit für die Konfessionalisierung überhaupt war.
Der Kanzler am Kurfürstlichen Hof Johann Friedrichs in Torgau, Gregor Brück, war wohl die wichtigste Amtsperson, welche die Bildung und die Verbreitung des neuen evangelischen Glaubens in Sachsen (vor allem) beratend vorantrieb.
Georg Spalatin, auch einer der weltlichen Räte, erwarb zu jener Zeit (um 1540) Verdienste bei der Organisation der neuen Kirche.
Zu Martin Luther: Luther brachte mit seiner Zwei-Reiche-Lehre zum Ausdruck, dass Kirche und Staat nicht eins seien. Doch meinte er damit keine grundsätzliche Trennung beider „Reiche“. Luther wollte schon eine evangelische Durchdringung alles Tuns.
Weiter zu Philipp Melanchthon: Er hält in der linken Hand eine Papierrolle: War es vielleicht sein Kommentar zum Kolosserbrief des Apostels Paulus oder waren es seine Ergänzungen zu den Torgauer Artikeln? Seine rechte Hand mit dem gehobenen, anmerkenden Zeigefinger will wohl nachdrücklich auf die für ihn so wichtige Bedeutung einer umfassenden Persönlichkeitsbildung verweisen.
In Situationen, in denen Melanchthon leicht den Zeigefinger erhob, zeigte Luther schon einmal die Faust. Luther sagte von sich: „Ich bin dazu geboren, dass ich mit den Rotten und Teufeln muss kriegen und zu Felde liegen, darum meine Bücher viel stürmisch und kriegerisch sind….. Aber Magister Philippus (Melanchthon) fähret säuberlich und stille daher, bauet und pflanzet, säet und begeyßt mit Lust ….“ (Zitat gefunden bei Stefan Rhein)
Bei der Betrachtung des Bildes kann man annehmen, dass der Maler Cranach die wichtigsten kirchlichen und weltlichen Personen (die Eliten) im engeren Umfeld des Kurfürsten mit Kopfbedeckung malte. Das könnte wohl so sein. Doch dann hätte Melanchthon auch eine Kappe verdient.
Der Kurfürst, der das Altarbild dominiert, erscheint bestimmend und hinreichend souverän, den entstehenden neuen konfessionellen Staat zu regieren. Räte, Reformatoren und Bürger umgeben, unterstützen, stärken ihn.
Alle die hier genannten, auch die zwei noch unbekannten Personen, waren Träger der Reformation als Bewegung und Veränderung in Kirche und Staat.
Das Wort „Konfessionalisierung“ wird durch Lucas Cranach über die hier gezeigten, damals besonders aktiven Personen „ins Bild gerückt“. Außerdem handelt es sich bei diesem Altarbild um einen neuen Fall von: Das Wort im Bild!
Ein anderer „Das Wort im Bild - Fall“ ist durch die derzeit im Schloss Hartenfels Torgau geöffnete Ausstellung bekannt geworden. Deren Titel lautet:
„DAS WORT im Bild. Biblische Darstellungen an Prunkwaffen und Kunstgegenständen der Kurfürsten von Sachsen zur Reformationszeit.“
Interessant ist, welche verschiedenen Dinge und Erscheinungen der Titel „Das Wort im Bild“ zu finden und zu belegen im Stande ist. Wer findet weitere Entsprechungen?

Dr. Uwe Niedersen

 

Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen (im Vordergrund) mit „Großen Männern“ der Reformation, um 1540.
Repro: Förderverein Europa Begegnungen e.V.


 

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