Projekt 1
Torflügel des ehemaligen Königstores


Erhaltung und Präsentation der originalen Bessemer Stahl-Torflügel des ehemaligen Königstores der preußischen Festung Torgau; Kosten: 8.000,00 Euro

Dem Förderverein Europa Begegnungen e.V. ist es gelungen, die originalen Torflügel des Königstores ausfindig zu machen und zu bergen.
Durch unsere fortlaufenden Literaturarbeiten zur Festung Torgau kamen wir den Festungstoren auf die Spur.
Mit der Erhaltung und Präsentation der originalen Torflügel des Königstores wäre ein bedeutender kulturhistorischer Beitrag zur Veranschaulichkeit und Fasslichkeit von Teilen der bis 1889 bestehenden Festung Torgau für die Öffentlichkeit geleistet.
Nunmehr ist es notwendig, die alten Bessemer-Stahltore umgehend zu behandeln.
Die Torflügel sollen bereits nach ersten Restaurationen im Brückenkopf-Gelände und zwar auf dem Grundstück des Sächsischen Grenadierbataillon von Spiegel e.V. in der Nähe der dortigen sächsischen Poterne von 1812, möglichst noch in diesem Jahr startend mit einer Fortführung zu Beginn 2011, aufgestellt werden und dann für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Zur Vertiefung der Inhalte im Zusammenhang mit den Torflügeln des Königstores soll folgender Text dienlich sein:
 

Torflügel vom Königstor der Festung Torgau geborgen

 

Ein Festungstorbereich, etwa der Königstorbereich, bestand aus zwei Toren und einem dazwischen liegenden Torgang. Das innere und das äußere Tor des Königstorbereiches (auch der des Leipziger und des Wittenberger Tores) waren in ihrer Gestaltung durchaus betrachtenswert. Das innere, stadtseitige Tor des Torbereiches unterschied sich jeweils vom äußeren, feldseitigen Tor, das direkt am Wallgraben-Rand stand.

Leider haben wir keine guten Bilder von den Torgauer Festungstoren; diese hier sind als Kopie den Kopien von Müller/Witte entnommen. Bessere Fotos oder Skizzen von den Festungstoren wären uns sehr willkommen.
 

Abb. 1: Das Leipziger Tor, feldseitig

 

Wir verweisen zuerst einmal auf das Leipziger Tor (Abb. 1):

Zu erkennen ist das feldseitige Tor mit Brücke auf Steinpfeilern über dem Wallgraben, der etwa 35 m breit war. Dahinter ist der massige Wallkörper zu sehen.

Und nun die gleiche Leipziger Toranlage mit ihrem stadtseitigen Tor (Abb. 2). Es stand vom Wallkörper etwas vorgezogen, gerahmt durch zwei massige Säulen, die in die Mauerwand eingearbeitet waren, so genannte Pilaster.

   Abb. 2: Das Leipziger Tor, stadtseitig

Ähnlich wie die Poternen  durch den Wall führten, so durchstach der Torgang der Torgauer Festungstore ebenfalls den über 30 m breiten Wallkörper, der eine Höhe von 8-9 m hatte (vom Horizont gemessen) (Abb. 3). Dieser Gang, wir könnten auch Torfahrt oder Tor-Poterne dazu sagen, beginnt im Inneren der Festung, d. h. also stadtseitig mit einem Innentor, dann folgt der mit Sandsteinquadern gefügte Gang. Links und rechts von diesem Gang gingen kasemattenartige Nischen ab. Doppelfalze im Torgang ließen das Hineinfügen von Sperrbohlen zu; dazwischen konnte bei Gefahr zum Ausgang hin verdämmt werden. Der Torgang endete wiederum mit einem (äußeren) Tor in der feldseitigen Wallmauer, direkt am Wallgraben.

Alle drei Torgauer Festungstorbereiche scheinen von ähnlichem Aussehen gewesen zu sein.

Abb. 3: Das Königstor, feldseitig.
 
   Abb. 4: In Ammelgoßwitz: Einer der
   stählernen Flügel des Königstores der
   Festung Torgau wird nach etwa 100
   Jahren geborgen.

Wenn wir uns das feldseitige Tor des Königstorbereiches ansehen (Abb. 3), dann ist diese Ähnlichkeit mit dem äußeren Leipziger Tor deutlich sichtbar. Folgend wollen wir das äußere Tor des Königstorbereiches einmal beschreiben: Insgesamt finden wir eine einfache, strenge Architektur vor. Eine eingerahmte, stichbogige Tor-Durchfahrt, Breite ca. 4 Meter; Lichte Höhe etwa bis zu 6 Meter. Links und rechts vom Rahmenteil steht ein kräftiges Mauermassiv. Oben findet sich ein zweigegliedertes Gebälk, deren obere Linie ein Cordon-Gesims ist. Darüber ein dreieckiger Aufsatzkörper, der Attika genannt wird. Zwischen der oberen Rahmenlinie und dem Gebälk befindet sich ein Körper mit einer glatten Fläche. Dieser Körper trägt auf seiner Sichtfläche die Inschrift: KOENIGS – THOR; darüber, auf der Attika, war dann feldseitig ein (wahrscheinlich) gusseiserner preußischer Festungsadler als Symbol angebracht.

Das Sachsen-Preußen Kollegium des Fördervereins Europa Begegnungen e.V. hat mit Unterstützung der Landgut Staritz GmbH, Herr Neubauer, Herr Jäger sowie mit der Hilfe von Herrn Lotzenburger aus Dröschkau, die stählernen Torflügel der Königstoranlage aus einem völlig überwucherten Teil des einstigen Gutshofes von Max Schlenker (1884-1935) in Ammelgoßwitz vor weiterem Wegrosten und Zerfall sicherstellen können.

Bei den geborgenen Torflügeln handelt es sich um ein Tor aus Bessemer Stahlblech von bis zu einem Zentimeter Blechstärke. Das Stahlblech wurde auf ein Rahmen-Profil, das mit diagonalen Verstrebungen versehen war, aufgenietet.  Interessant ist die Mechanik der Verriegelung, ein oberer Horizontalriegel, zuzüglich ein übergroßes Torschloss mit einem Schlüssel, der sicher eine Länge von etwa 25 cm hatte (Abb. 4). 

Dr. Uwe Niedersen

Bankverbindung des Förderverein Europa Begegnungen e.V.:
Sparkasse Leipzig
Kto.-Nr.: 2210015173
BLZ: 860 555 92

 

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