Parallel dazu wurden in Torgau zumindest einige festungsbauliche Instandsetzungen an den über die Jahrzehnte gealterten Stadtumzug im Zusammenhang mit dem Nordischen Krieg unter August dem Starken vorgenommen.
Es war immer wieder die Brückenschanze, die aufgrund der waffentechnischen Fortschritte verbessert wurde. Zeit- und Geldknappheit zwangen dazu, sich auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Das war eindeutig die Schanze, die die Elbbrücke zu sichern hatte.
In welchen Jahren das geschah, ist ungewiss. 1720 wird Torgau, neben anderen sächsischen Städten, als befestigt genannt. Ulrici zeichnet auf seinen Grundriss der Stadt Torgau aus jener Zeit aber keinen der Stadtmauer vorgezogenen Gürtelwall.
Zu vermuten ist, dass Ulrici’s Riss möglicherweise vor 1720 entstand. Einer Zeit, in der eben gerade wieder einmal die erdgeschüttete Umwallung desolat war.
Das wiederholte sich nach 1740 mit den beginnenden Schlesischen Kriegen, 1740–1763. Der Sächsische Hof musste wiederum feststellen, dass alle sächsischen Festungen vernachlässigt und entblößt waren.

Abb. 7: Entwurf einer „Sternschanze“ von Egidius Gotthelf Francke, 1744; das Projekt wird von ihm mit „Teste – Pont“ der Elbbrücke – Torgau bezeichnet.
Die Profile und der Längsschnitt unter dem Plan der Befestigung veranschaulichen die geplanten Neuerungen im Aufbau des Brückenkopfs.
 

Doch 1744, während des Zweiten Schlesischen Krieges, beauftragte der sächsische General Adam Heinrich von Bose den Ingenieur-Leutnant Egidius Gotthelf Francke (1718-1796) einen Plan zur Verbesserung der Brückenschanze an der Torgauer Elbbrücke vorzulegen. Die Ausführung der Arbeiten erfolgte dann bereits 1745. Mit der Hinneigung Sachsens zu Österreich und Russland, das geschah nach dem Ersten Schlesischen Krieg, musste Sachsen mit einer militärischen Konfrontation seitens der Preußen rechnen. Die Torgauer Elbbrücke wäre für aufmarschierende preußische Truppen von Osten her ein idealer Eintritt nach Sachsen. Sachsen versuchte mit Franckes Befestigung den Elbübertritt der Preußen zu verhindern oder zumindest zu erschweren. Franckes uns vorliegender Planentwurf von der Brückenschanze bei Torgau zeigt deren Aufbau (Abb. 7): Das Werk selbst war in der Konstruktion bastionär und sternförmig. Die Umwallung begann mit einem äußeren Ring, einem gedeckten Weg. Es folgte ein breiter nasser Graben, der direkt von der Elbe über einen Graben gefüllt und durch eine Schleuse reguliert werden konnte. Dann folgte ein markanter Hauptwall aus Erde, von fast 9 m Höhe, von der Grabensohle aus gemessen. Ein breites Bankett auf dem Wall ermöglichte pro Bastion jeweils zwei Batterien mit jeweils vier Geschützen anzulegen. Im Inneren stand ein zweiteiliges Blockhaus. Da das Blockhaus einen Schornstein besaß, könnte es somit bereits als eine Art „Defensionskaserne“ bezeichnet werden.

Sachsen bezog während des zweiten Schlesischen Krieges herbe Niederlagen. Torgau war durch Preußen mehrmals besetzt worden.
Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) überschritten die Preußen am 29. August 1756 die Grenze zu Sachsen. Torgauer war strategisch wichtig, da man einen Krieg führte, indem beinahe alle Operationen von Magazinen ausgingen und das Militär auf Magazine gerüstet war. So werden wir bei den Führungen durch die Innenstadt Torgaus ausdrücklich auf diese erhaltenen imposanten Sandsteinbauten hinweisen.
Friedrich II. richtete sein Königliches General-Feldkriegsdirektorium in dem befestigten Torgau ein.

 

Abb. 8: Gesamtbild verschiedener Situationen des Tete de Pont de Torgau (Brückenkopf), 1755. Im Einzelnen sind abgebildet: Riss der Anlage mit Elbbrücke und die Situation linksseitig der Elbe vor dem Schloß Hartenfels mit einer krenelierten Mauer und zwei Batardeaus.
Weiter der Riss einer Bastion mit Schießscharten und überdachter Feuerstellung in der Bastionsspitze sowie eine Hohltraverse in Fachwerk.
 

 

 

Abb. 9: Hohltraverse, 1755; „Frontansicht einer Kasematte und darüber liegende Traverse“ (Übersetzung der Handschrift)
 

Nun ist interessant, dass die preußischen Ingenieur-Offiziere schon 1755, also ein Jahr vor dem Marsch der Preußen über die Torgauer Elbbrücke damit begonnen hatten, sich mit dem Brückenkopf der sächsischen Festung Torgau bautechnisch zu beschäftigen. Eine intakte Elbbrücke sowie ein starker Torgauer Brückenkopf hatten ungestörte preußische Truppenbewegungen in beide Richtungen zu garantieren. Mindestens seit diesem Zeitpunkt funktionierte die alte Ost-West-Handelsstraße durch Torgau zugleich auch als eine Ost-West-Heerstraße. Das Neue in dem preußischen Entwurf (Abb. 8 u. 9) war die Planung, Hohltraversen auf dem Wall zu errichten und zwar in Fachwerk. Hohltraversen waren Schutzräume für die Besatzung, und sie deckten jeweils die Geschützstellungen vor seitlichem Feuer.
Die Abbildung zeigt, dass die Preußen das seit Dilich Vorhandene wieder in Funktion brachten. Vorstellbar ist, dass Gräben geräumt, d.h. vertieft, Wälle verbreitert und erhöht, Stadtmauerteile ausgebessert wurden.

Der Archidiakonus Bürger schreibt 1855, dass die Preußen die Torgauer immer wieder zu Schanzarbeiten befahlen.
Die Preußen verbesserten die Wallanlagen, die sie vorfanden. Dabei beließen sie es bei der Grundstruktur der Festung Torgau, wie sie einst Dilich vorgegeben hatte.
Neben der ausgebauten Brückenschanze war also die Stadt selbst, wie niemals zuvor, von beachtlichen inneren und äußeren Wallanlagen umgeben. (Abb. 10)
Der alten Stadtmauer war stadtseitig Erde angeschüttet worden; über Rampen gelangte man zum Bankett. Rondells und bastionsartige Vorsprünge bestimmten den Mauerumzug. Allen mittelalterlichen Stadttoren, Schloß-, Fischer-, Leipziger-, Spital- und Bäckertor, von denen die drei zuletzt genannten hohe barockene Wachtürme besaßen, waren schützende Ravelins vorgesetzt.
Vor dem Mauerumzug war durchweg ein nasser Stadtgraben vorhanden. Diesem Vorgraben folgte eine äußere Umwallung. Wir haben somit festzuhalten, dass es einen Innenring gab, der von dem äußeren Umzug (Envelope) durch einen nassen Graben getrennt war.

Abb. 10: Die Befestigung der Stadt durch die Preußen, die Situation 1859, bei der Einnahme der Stadt durch die Reichstruppen. Der Nord- und der Südbereich der Stadt waren durch die Anreihung der Bastionen (offensichtlich) stärker ausgebaut, als die Verteidigung der Westseite. Hier hatte Torgau bis zum Schwarzen Wasser (Graben) eine Vorstadt, die mindestens durch ihre beachtliche Fläche der Defension dienlich war.

Darüber hinaus zeigt die Südflanke, aber besonders die im Norden der Stadt, Teilstücke einer von der doppelten Innenbefestigung entfernt angelegten Gürtelumwallung. Im Norden war der Gürtel etwa 350 m von der Stadtmauer entfernt und bestand aus einem Doppelwall, getrennt durch einen nassen Vorgraben mit drei Vollbastionen und zwei Halbbastionen.
Um 1820 kam ein preußischer Offizier zu dem Ergebnis, dass die hier beschriebene bastionäre Befestigung der italienischen Manier zuzuordnen sei.
Das bedeutet, dass offensichtlich von der "altniederländischen Manier", die für die Wälle nur Erdreich festlegte, wieder Mauerwerk einbezogen wurde.

Ein kurzes Fazit:
Wie weiland der Dreißigjährige ging auch der Siebenjährige Krieg für Sachsen verloren. Die vielen Einzelfestungen hatten sich für Sachsen alle als untauglich erwiesen. Das Desaster war so groß, dass der Hof 1765 beschloss, alle sächsischen Festungen (auch Torgau) eingehen zu lassen. Lediglich die Festung Königstein solle weiter den Fortschritten der Strategien und Waffentechniken angepasst bleiben. Außerdem wäre es ratsam, die Befestigung der Residenz Dresden (wenigstens) nicht verkommen zu lassen.
Ein  Papier von 17.1.1765 enthält den Vorschlag, dass Kursachsen eine zentrale Landesfestung erhalten müsse. Die unter dem preußischen Artilleriebeschuss arg verängstigten Dresdener wollten aber nicht, dass die Residenzstadt zur Landesfestung avancieren solle.
So blieb der Gedanke von einer sächsischen Landesfestung fast 50 Jahre in der Schwebe.
Nach der mit Preußen verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstadt, 1806, wurde Sachsen ein Königreich. Sachsen ging jetzt  mit Napoleon I.. Es benötigte mit dem Eintritt in den Rheinbund einen zentral gelegenen Waffenplatz, der die Funktion zu erfüllen hatte, vor allem Rückzugs- und Zufluchtsort der ganzen Sächsischen Armee zu sein; weiterhin auch Depot für Ausrüstung und Proviant sowie Verwahrungsort für Akten, Schriften und Gelder des Sächsischen Hofes. Welche Auslegung (Struktur) eine solche Festung zu erhalten hat und wofür sie danach in Gebrauch steht, entscheiden wirtschaftliche, politische, militärische, technische, finanzielle und auch zivile Faktoren.

Abb. 11: Entwurf der Umwallung einer sächsischen Elb- und Landes-festung Torgau, 1810; der Brückenkopf mit 2 Halb- und 2 Vollbastionen und geplanten Lünetten (so im Original bezeichnet) vor den Kurtinen.
 
Abb. 12: (23) Plan der sächsischen Elb- und Landesfestung mit Hauptwerk und Außenwerken. Der Plan zeichnet die Situation im März 1813. Der Brückenkopf hat vier bzw. fünf Bastionen und zwei Poternen sowie drei Brücken (zwei in der Kehle; eine in der Front); wobei die feldseitige durch ein nicht vollendetes Ravelin, besetzt durch einen Unteroffizier und zehn Mann, geschützt wird.
 

Aus den vielen Niederlagen der eigenen Armee Lehren ziehend wurde eine Sächsische Elb- und Landesfestung in Torgau bestimmt. Sie sollte die alten Fehler und Versäumnisse vermeiden, indem vor der Hauptfestung ein allumfassender Gürtel von Schanzen und Erdwerken angelegt werden sollte (Abb. 11): bei Repitz beginnend über Fort Mahla, Fort Zinna, dann eine Windmühlen-Schanze an der neuen Straße nach Leipzig, eine Teichschanze, eine weitere Richtung Loßwig bei der Ratsziegelei und schließlich noch eine Schanze am Färberdamm, nahe Loßwig.
Ostwärts der Elbe waren um den Brückenkopf ebenfalls ein Ring von Verschanzungen (Redouten) und zusätzlich zwei Werke (Werdau; Zwethau) vorgesehen.
Zwischen diesem Außenring und der Umwallung der Hauptfestung eröffnete sich dann ein „verschanztes Lager“ in welchem Tausende sächsische Soldaten im Verbund mit der Kernfestung einen Versammlungsort vorfinden würden, um offensiv oder defensiv handeln zu können.

Napoleon I., der den Rheinbund und somit auch Sachsen dominierte, unterstützte nach anfänglichen Vorbehalten den Standort der sächsischen Festung in Torgau an der Elbe, doch sah er die Sächsische Elb- und Landesfestung Torgau in der Funktion mehr als eine Kampagne-Festung, eben als eine „offensive Festung“; nicht wie die Sachsen, welche, wie gesagt, eine weitläufige, die Vorstädte mit einbeziehende (permanente) Landesfestung anstrebten.

Napoleon I. benötigte bereits innerhalb eines Jahres und zwar schon 1811, eine solche „offensive“ Festung in Sachsen. Er musste ja seine Truppen, die vom Westen her kamen, über die Elbe Richtung Russland führen. So benötigte er vor allem gesicherte Elbübergänge. Dafür, so Napoleon, sollte eine eng umwallte Sächsische Elb- und Landesfestung in Torgau hinreichende Dienste leisten, eben um seiner Armee einen sicheren Marsch Richtung Osten zu garantieren (Abb. 12).
Nach den Niederlagen in Russland strömten die Reste der Grande Armée, 1812/13, zurück. Torgau musste zum „Zufluchts- und Lazarettort“ umfunktioniert werden. Das konnte aufgrund der ursprünglichen Anlage, weil eben zuvor als „offensive“ Festung eingerichtet, nur bedingt gelingen. Das Desaster war somit vorprogrammiert. Die Franzosen besetzten im Mai 1813 die Kommandostellen der Sächsischen Landesfestung Torgau. Soldaten und Torgauer Bürger mussten eng zusammenrücken, hatten miteinander Not und Leid zu teilen. Aufgrund der sich verbreitenden Typhus-Epidemie starben annähernd 30.000 Menschen in der Festung Torgau.

1815 wurde Torgau von den Preußen übernommen und damit auch die Festung.
Preußens Widerpart im 19. Jahrhundert war u.a. Österreich (zuzüglich wiederum Sachsen). Die nun „Preußische Elbfestung Torgau“ war 14 km von der Landesgrenze entfernt. Torgau war neben Wittenberg und Magdeburg eben eine der preußischen Elbfestungen, doch aufgrund der Nähe zu Sachsen kann von der „Preußischen Elb- und Grenzfestung Torgau“ gesprochen werden.

General Helmuth von Moltkes Denkschrift, um 1860, sah vor, den Aufmarschraum der Preußischen Armee gegen Österreich sowie Sachsen durch Festungen, im Besonderen Torgau, in Verbindung mit natürlichen Hindernissen, hierbei sah er vor allem die Elbe, zu sichern.
Und umgekehrt, bei einem etwaigen Angriff der Österreicher, durch Märsche auf der rechten Elbseite von etwa 80.000 österreichischen Soldaten und dem Operationsziel Berlin, wäre, so von Moltke, innerhalb von 20 Tagen das IV. Preußische Armeekorps in der Lage, sich mit 20 000 Mann bei Torgau zu versammeln, um eine aktive Flankenverteidigung, die Elbe einbeziehend, auszuführen. Bei linkselbisch vorgehenden Österreichern könnte die Festung Torgau, so Moltkes Denkschrift, mit als „quer vorgelegte Schranke“ fungieren (Abb. 13).
Insgesamt kamen die Preußen damals zu dem Schluss, dass die gegen die Österreicher gerichteten Funktionen (Flankenverteidigung; Schranke) besser durch große Gürtelfestungen zum Tragen kämen; solche bei Torgau und Wittenberg sowie Magdeburg, mit der Möglichkeit wechselseitiger Bewegungen über die Elbe und zwar durch Operationen von gleich mehreren preußischen Armeekorps. Doch seien für diese Überquerungen eine gehörige Anzahl fester Brücken und variabel einsetzbare Pontonbrücken notwendig. Deshalb müsse bereits die Feldarmee der Preußen mit ausreichenden technischen Truppen und Mitteln bestückt und ausgerüstet werden.
In den Brückenkopf der Festung Torgau wurden beispielsweise, 1860, Pioniertruppen verlegt, die u.a. Elbüberquerungen mittels Pontons in ihrer Ausbildung hatten.

Abb. 13: Das Hauptwerk und der Brückenkopf der preußischen Festung Torgau; hier ein Plan von 1888.
Beim Ausbau des Brückenkopfs vereinfachten die Preußen die Form der Befestigung. Das bisherige vorgelagerte Ravelin jenseits des Wassergrabens fiel weg, ebenso wie der Walldurchgang und die den Ravelin mit dem Brückenkopf verbindende Brücke.
Im nun geschlossenen Wall entstand eine dritte Geschützkasematte in gleicher Bauform wie in den beiden früheren Poternen. Vier Bastionen verteidigten den Brückenkopf, gemeinsam mit zwei flankierenden Lünetten. Die flankierenden Lünetten sind die von Zwethau und Werdau, welche zum einen 600 m und zum anderen über 500 m vom Brückenkopf entfernt waren. Die Kehlseite und den Zugang zum Reduit samt dessen Brücke bewachte im mittleren Abschnitt die gewaltige Kehlgrabenwehr.
Beim Ausbau vereinfachten die Preußen die Form des Brückenkopfes. Der bisherige vorgelagerte Ravelin jenseits des Wassergrabens fiel weg, ebenso wie der Walldurchgang und die den Ravelin mit dem Brückenkopf verbindende Brücke.
Im nun geschlossenen Wall entstand eine dritte Geschützkasematte in gleicher Bauform wie in den beiden früheren Poternen. Vier Bastionen verteidigten den Brückenkopf, gemeinsam mit zwei flankierenden Lünetten. Die flankierenden Lünetten sind die von Zwethau und Werdau, welche zum einen 600 m und zum anderen über 500 m vom Brückenkopf entfernt waren, siehe auch (27). Die Kehlseite und den Zugang zum Reduit samt dessen Brücke bewachte im mittleren Abschnitt die gewaltige Kehlgrabenwehr.

 

1  2  >

   
 

© 2011 · Impressum · Datenschutz