Schloß Hartenfels mit Elbbrücke und Schanze. (in: Stadtarchiv Torgau)

Das Bild zeigt die Situation des Schloß Hartenfels mit krenelierter Mauer; erkennbar ist der stromaufwärts verlaufende Weg zum Fischer Tor sowie auch das Ein- und Ausschiffungsufer und die überdachte Elbbrücke mit Schanze.
Was die Schanze betrifft, so ist hier das elbseitige Tor und das Wachthaus sowie der Hauptwall mit Scharten, Berme und einer Palisadierung zu sehen. Die Bastionsspitzen tragen kleine Wachtürme.
Das Bild ist ein Kupferstich von J. W. Stör, 1735.

 

 

 

 

Befestigung Torgaus nach 1756 während der preußischen Besetzung der Stadt zu Beginn des Siebenjährigen Krieges. (in: Sächsisches Staatsarchiv Dresden)

Neben der ausgebauten Brückenschanze war die Stadt selbst, wie niemals zuvor, von beachtlichen inneren und äußeren Wallanlagen umgeben.
An der alten Stadtmauer war stadtseitig Erde aufgeschüttet worden; über Rampen gelangte man zum Bankett. Rondells und bastionärartige Vorsprünge bestimmten den Mauerumzug. Alle mittelalterlichen Stadttore wie Schloß-, Fischer-, Leipziger-, Spital- und Bäckertor, von denen die drei zuletzt genannten hohe, barocke Wachtürme besaßen, waren tambouriert, d.h. schützende Ravelins vorgesetzt. Den Mauerumzug umgab feldseitig ein nasser Stadtgraben. Diesem Graben folgte eine äußere Umwallung (Enveloppe). Wir haben somit festzuhalten, dass es einen Innenring gab, der von dem äußeren Umzug durch einen nassen Graben getrennt war.
Darüber hinaus zeigt die Südflanke der Stadt sowie noch deutlicher die im Norden, Teilstücke einer von der doppelten Innenbefestigung entfernt angelegten Gürtelumwallung. Im Norden war der Gürtel etwa 350 m von der Stadtmauer entfernt und bestand aus einem Doppelwall, getrennt durch einen nassen Graben. Der Gürtel bestand aus drei Vollbastionen und zwei Halbbastionen.
Die Grundstruktur der Festung Torgau, so wie sie Dilich 1630 entworfen hatte, war geblieben, siehe hierzu zweites Bild von rechts.

 

 

 

 

Situation am Spitaltor vor 1811. (in: Stadtarchiv Torgau)

Bei dem Bau der sächsischen Landesfestung Torgau sollte in der Nord-West-Vorstadt, neben den Wohnhäusern der doppelten und einfachen Vorstadt, unbedingt das vor dem Spitaltor zu erkennende Waisenhaus erhalten bleiben (links von der Kirche im Hintergrund). Eine Belegung bis zu 400 Personen war dort möglich. Weiter versuchten die sächsischen Militärs die Spitalkirche mit Mauer (rechts), Friedhof und Hospital sowie ein städtisches Krankenhaus, außerhalb des Neusorger Grabens gelegen, zu erhalten. Eine spätere Umnutzung solcher Gebäude, etwa zu Lazaretten, war in einer Festung durchaus üblich.

 

 

 

 

Die Grabenverteidigung mit Defensionskaserne im Fort Zinna. (Zeichnung M. Wichrowski)

Abgebildet sind das Reduit als Defensionskaserne des Fort Zinna zwischen Bastion I und Bastion IV, die zweigeschossige Grabenwehr und das Haupttor mit Brücke und Zugsegment, erbaut zwischen 1850 und 1859; weiter die Kehlmauer, die als Gewehrmauer mit Scharten ausgestattet ist. Die Grabenwehr steht quer zum Kehlgraben und besitzt Geschütz- und Gewehrscharten. Die Planung von 1879, die Außenseite des Reduit mit einer Erdaufschüttung zu verstärken, wurde in der dargestellten Form nie ausgeführt. Die Abbildung zeigt eine Außenansicht des Eingangstores.

 

 

 

 

Situation am Bäckertor vor 1811 (in: Stadtarchiv Torgau)

Das abgebildete Bäckertor war, wie auch die anderen Stadttore, ein Doppeltor. Innen mit einer Wohnung für den Torschreiber. Den runden Wachturm zierte eine barocke Haube. Der Turm wurde 1824 abgetragen. Über den alten Wallgraben des Stadtumzugs führte eine steinerne Brücke. Der Graben wurde bis gegen 1835 nach und nach ausgefüllt. Erkennbar ist die Erdaufschüttung, stadtseitig, an der rechts vom Tor sich befindende Stadtmauer. Der Druck der Erdaufschüttungen von Innen war so stark, dass die maroden mittelalterlichen Stadtmauerabschnitte mehr und mehr nach vorn einfielen.
Unter dem preußischen Festungskommandanten General von Krauseneck, von 1821 bis 1829 in Torgau, wurden große Teile des Wall und der Mauer abgetragen.

 

 

 

 

„Grundriß der Statt Torgau“; Kupferstich von Matthäus Merian, 1650.

Da Dilich die Befestigungen für Torgau plante, können wir davon ausgehen, dass das, was der Riss von Matthäus Merian, 1650, aufzeigt, genau auf den genannten sächsischen Festungsbaumeister zurückgeht.
Der Plan von Matthäus Merian zeigt die Leistungen Dilichs als Baumeister der Festung Torgau:
Im Osten versperren die Brückenschanze und die Elbe als ein natürliches Hindernis einem Eroberer den Zugang zur Stadt.
Im Südwesten, im Westen und im Nordwesten fand Dilich Wasserhindernisse vor, die er mit einplante, um das Vorrücken feindlicher Truppen zu verhindern: Ziegelteich und andere Teiche im Südwesten; ein angestauter Schwarzer Graben, der westlich an der Stadtmauer entlang führte. Etwa 300 Meter davor floss von Süd nach Nord der Weinberg Graben (auch Neusorger Graben genannt) als ein Nebenarm, der sich dann nordwestlich wieder in den Schwarzen Graben ergoss. Dieser Graben und andere Nebenarme waren weitere Wasserhindernisse. Im Süden, Richtung Loßwig, gab es dann eine an die Elbe angelehnte Halbbastion und eine durch die Kurtine verbundene Vollbastion mit einem kurzen Stück nassen Wallgraben. Ein weiteres Kurtinenstück der Vollbastion war direkt mit der mittelalterlichen Stadtmauer und dem dortigen Graben am Fischertor verbunden. Die Stadtmauer vom Fischertor zum Leipziger Tor war nicht so stark befestigt wie die übrige Stadtumfassung. Diese Seite der Stadt wurde ja durch die südwestlich gelegene Anreihung mehrerer Teiche geschützt.
Die westlich und nördlich errichtete Stadtmauer erscheint wiederum ausgebauter. Das Leipziger-, das Spital- und das Bäckertor besaßen Wachtürme.
Etwa vom Spitaltor ab, zog sich eine zusätzliche, vor der Stadtmauer und dem Stadtgraben gelegene Wallaufschüttung bis zu dem Ravelin vor dem Bäckertor hin. Diese Teilbefestigung war so etwas wie ein Außenwall.
Eine Tambourierung befand sich weiter vor dem Schloss-Tor; dann folgte eine Palisadierung, die bis zur Elbbrücke reichte.
Abgerückt von der Stadtmauer, etwa 250 bis 350 Meter, zwischen Elbe und dem Schwarzen Graben, lag nördlich die bedeutendste Außenbefestigung: zwei Halbbastionen, jeweils an die Elbe und an einen Graben angelehnt, dazwischen dann drei Vollbastionen, die die Wege und das Vorfeld der Stadt kontrollierten.
Wichtig erscheint uns darauf hinzuweisen, dass es eine wassertechnische Vorrichtung gab, den Schwarzen Graben anzustauen; zu vermuten sind Schleusen am Großen Teich. Der Große Teich diente schon damals als Wasserreservoire zum Anheben der Wasserstände in den Gräben und in den verschiedenen Teichen.


 

 

 

 

Elbbrücke und Ostansicht der Stadt Torgau, um 1832. (©SLUB Dresden/Deutsche Fotothek, www.deutschefotothek.de, c/o Albrecht Rohr)

Das Bild ist kurz vor dem Beginn des Umbaus der alten Elbbrücke von A. Kurz gezeichnet worden, wahrscheinlich um 1832.
Die von den Sachsen 1811/12 erbaute Kehlmauer aus Sandstein war bereits, wie das Bild zeigt, um etwa 2 m Ziegelsteinlagen erhöht worden.
Zu sehen ist weiter die Einfahrt zum Unterhafenbecken mit einem hölzernen Brückenübergang.
Zu erkennen ist die Spitze des Hindernistürmchens auf der nach 1830 erbauten Sperrmauer (Batardeau) zwischen Wallgraben und Unterhafenbecken.
Die Halbbastion VIII sowie der aufgesetzte Kavalier waren bereits erdgeschüttet vorhanden.
Links im Bild ist die zwischen 1825 und 1826 durch den Königlichen Wasserbau-Inspektor Stelling erfolgte Verlängerung der Elbbrücke zu erkennen.
Die verlängerte Elbbrücke war aus Sandstein. Sie zeigt vier Joche und war mit der hölzernen, überdachten Brücke verbunden.
Erst 1836 wird nach Konstruktion und Form der Brückenverlängerung von 1825/26 der gänzliche Umbau der hölzernen Elbbrücke vorgenommen; jetzt durch Wasserbau-Inspektor Nobeling.
1840 wird der Umbau zu einer neuen steinernen Brücke abgeschlossen. Die neue Brücke hatte 14 Mittelpfeiler und eben so viele Joche. Ein Brückenzug befand sich im ersten Joch zur Stadtseite hin. Die Uferbuchtung im Vordergrund des Bildes zeigt den ehemaligen Wassermühlen-Hafen.

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